Woraus der Gaspreis besteht
Auf der Rechnung steht ein Betrag, dahinter stehen acht Positionen aus drei verschiedenen Quellen: der Lieferant setzt eine davon fest, die Regulierungsbehörde drei, der Gesetzgeber den Rest. Nur die erste ist verhandelbar.
Eine Rechnung, aufgeschlüsselt
Zum Mitrechnen ein Haushalt in Wien mit 15.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, einem Arbeitspreis von 6,00 Cent netto und 60 Euro Grundpreis. Die Netzwerte sind die für 2026 verordneten, das Messentgelt der Höchstpreis für einen Balgengaszähler G 4.
| Position | Netto | Anteil |
|---|---|---|
| Arbeitspreis, 15.000 kWh zu 6,00 Cent | 900,00 € | 51,0 % |
| Grundpreis | 60,00 € | 3,4 % |
| Netznutzung, Arbeitspreis Zone 1 zu 2,8099 Cent | 421,49 € | 23,9 % |
| Netznutzung, Pauschale | 60,00 € | 3,4 % |
| Entgelt für Messleistungen, G 4 | 16,20 € | 0,9 % |
| Erdgasabgabe, rund 1.364 m³ zu 6,6 Cent | 90,00 € | 5,1 % |
| CO2-Bepreisung, 1,0046 Cent je kWh | 150,69 € | 8,5 % |
| Gebrauchsabgabe Wien, 7 Prozent | 67,20 € | 3,8 % |
| Summe netto | 1.765,58 € | 100 % |
| Umsatzsteuer, 20 Prozent auf alles | 353,12 € | |
| Jahresrechnung | 2.118,69 € |
Von den 2.118,69 Euro entfallen 1.152,00 Euro auf die Energie und alles Übrige auf Positionen, die für jeden Wiener Haushalt mit diesem Verbrauch identisch sind. Der Anteil verschiebt sich mit dem Tarif: Bei einem teuren Bestandsvertrag dominiert die Energie, bei einem günstigen Neukundenangebot machen Netz und Abgaben mehr als die Hälfte aus.
Der Energiepreis
Er besteht fast immer aus zwei Teilen: einem Arbeitspreis je verbrauchter Kilowattstunde und einem verbrauchsunabhängigen Grundpreis. Der Grundpreis macht den Vergleich tückisch - ein niedriger Arbeitspreis bei hohem Grundpreis lohnt sich nur ab einem gewissen Verbrauch. Bei kleinen Wohnungen mit 6.000 Kilowattstunden kann das Verhältnis kippen.
Der Abstand zwischen dem günstigsten Angebot inklusive Wechselrabatt und dem teuersten Anbieter ohne Rabatt beträgt laut E-Control rund 8 Cent je Kilowattstunde. Auf 15.000 Kilowattstunden gerechnet sind das 1.200 Euro netto im Jahr, allein bei dieser einen Position.
Zu unterscheiden sind Fixpreisprodukte mit oder ohne Preisgarantie und Produkte mit automatischer Preisanpassung. Letztere folgen einem Index und ändern sich unterjährig, oft quartalsweise. Bei einer Preiserhöhung besteht ein Recht auf Widerspruch.
Das Netzentgelt
Es hängt an der Adresse, nicht am Lieferanten, und wird jährlich von der Regulierungskommission der E-Control per Verordnung festgesetzt. Für Haushalte auf Netzebene 3 setzt es sich aus dem Arbeitspreis der jeweiligen Verbrauchszone, einer Pauschale von 60 Euro im Jahr und dem Entgelt für Messleistungen zusammen. Ein Netzverlustentgelt wie beim Strom gibt es bei Gas nicht.
Zum 1. Jänner 2026 stiegen die Gasnetzentgelte österreichweit um 18,2 Prozent. Der Grund liegt nicht in gestiegenen Kosten, sondern in gesunkenen Mengen: Die Tarifierungsmenge lag um 8,6 Prozent unter dem Vorjahr, dieselben Netzkosten verteilen sich also auf weniger Kilowattstunden. Alle Werte je Netzbereich.
Steuern und Abgaben
- Erdgasabgabe, 6,6 Cent je Kubikmeter. Geregelt im Erdgasabgabegesetz, 2026 unverändert. Sie ist die einzige Position, die an Kubikmetern hängt und nicht an Kilowattstunden - für die Umrechnung braucht es den Umrechnungsfaktor der Netzrechnung.
- CO2-Bepreisung, 1,0046 Cent je Kilowattstunde. Gilt seit Oktober 2022 und ist im Nationalen Emissionszertifikatehandelsgesetz geregelt. Eingehoben wird sie über den Gaslieferanten.
- Gebrauchsabgabe, je nach Gemeinde. Entgelt dafür, dass Leitungen unter öffentlichem Grund liegen. In Wien werden 7 Prozent auf den Energiepreis verrechnet, die Landesgesetze erlauben je nach Bundesland bis zu 3 oder 6 Prozent der jeweiligen Bemessungsgrundlage. Burgenland und Vorarlberg haben keine landesgesetzliche Regelung.
- Umsatzsteuer, 20 Prozent. Kommt zum Schluss auf alle vorgenannten Positionen einschließlich der anderen Abgaben.
Netto oder brutto?
Preisblätter der Netzbetreiber und die Verordnung nennen fast immer Nettowerte, Angebote für Haushalte dagegen meist Bruttowerte. Wer zwei Zahlen vergleicht, sollte zuerst prüfen, worauf sie sich beziehen - zwischen 6,00 und 7,20 Cent liegt sonst nur die Umsatzsteuer.
Häufige Fragen
Welcher Teil des Gaspreises lässt sich beeinflussen?
Nur der Energiepreis, also Arbeitspreis und Grundpreis des Lieferanten. Netzentgelt, Erdgasabgabe, CO2-Bepreisung und Umsatzsteuer sind für alle im selben Netzbereich gleich hoch und ändern sich durch einen Anbieterwechsel nicht.
Wie viel Prozent des Gaspreises sind Steuern und Abgaben?
Erdgasabgabe, CO2-Bepreisung und eine allfällige Gebrauchsabgabe machen zusammen einen mittleren zweistelligen Prozentsatz aus, dazu kommen 20 Prozent Umsatzsteuer auf die gesamte Rechnung. Der genaue Anteil hängt vom Energiepreis ab: Je günstiger der Tarif, desto größer fällt der Anteil der fixen Abgaben aus.
Wird die Umsatzsteuer auch auf die anderen Steuern erhoben?
Ja. Die 20 Prozent Umsatzsteuer werden auf sämtliche Preisbestandteile aufgeschlagen, also auch auf Netztarif, Erdgasabgabe und CO2-Bepreisung.
Was ist die Gebrauchsabgabe?
Eine kommunale Abgabe für die Benützung von öffentlichem Gemeindegrund durch Versorgungsleitungen. Ob und in welcher Höhe sie eingehoben wird, entscheidet der Gemeinderat per Verordnung; die Landesgesetze setzen nur Höchstsätze. In Wien, Niederösterreich, Kärnten, Salzburg sowie in einzelnen Gemeinden Tirols und der Steiermark wird sie getrennt ausgewiesen, in den übrigen Netzgebieten steckt sie seit 2007 im Systemnutzungstarif.
Steigt die CO2-Bepreisung weiter?
Der Preis ist im Nationalen Emissionszertifikatehandelsgesetz festgelegt und liegt 2026 bei 1,0046 Cent je Kilowattstunde ohne Umsatzsteuer. Danach soll die nationale Bepreisung durch den europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr abgelöst werden; der Starttermin wurde zuletzt nach hinten verschoben.